Patinieren mit Speziguzi – Güterwagen

Version 1.1, 01. September 2009

Unter obiger Überschrift hat mein Eisenbahnfreund Rainer, auch bekannt als V80 009, meine Methode der Patinierung in verschiedenen Threads bei DSO und im H0-Modellbahnforum zusammengetragen, als Arbeitsanleitung zusammengefasst und von mir authorisieren lassen. Die Erstveröffentlichung erfolgte im September 2009auf seiner Homepage.

Vorbemerkungen und Sicherheitshinweis:
Diese Patinierungsanleitung kann für geschlossene und offene Güterwagen, nicht jedoch für Kesselwagen, verwendet werden. Wer keine Airbrush hat, kann die ganze Aktion auch mit dem Pinsel machen.

Grundsätzlich zuerst prüfen, wie das Fahrzeugmaterial / die Beschriftung auf Terpentin reagiert.

Für Güterwagen von Liliput gilt diese Anleitung nicht, da die Beschriftung bei Kontakt mit Terpentin aufgelöst wird und sich in Einzelteilen über den ganzen Wagenkasten verteilt.

Jetzt starten wir:
Der Wagen wird komplett in seine Einzelteile zerlegt. Die Achsen mit den Rädern sind ebenfalls auszubauen.

Gehäuse:
Mit Terpentinersatz wird das ganze Gehäuse benetzt. Nach dem Trocknen, das man mit einem Fön beschleunigen kann, wird das ganze Gehäuse mit schwarzer Farbe gebrusht. Kurz mit dem Fön und heißer Luft antrocknen lassen.

Jetzt das Gehäuse wieder mit Terpentin leicht abwaschen, dabei die bearbeitete Seite waagrecht halten damit die abgewaschene verdünnte Farbe nicht wegläuft. Der Wagen wird abgewaschen und nur in den Ritzen bleibt die schwarze Farbe.

Wichtig: Mit dem Pinsel saugt man die überschüssige Farbe ab. Dazu jedesmal den Pinsel kurz in Terpentin halten und säubern, sonst verschmiert er die abzuziehende Farbe, anstatt sie aufzusaugen.

Wenn dann das Gehäuse trocken ist, werden noch etwas Schattierungen mit schwarzer Farbe gebrusht.

Fahrgestell:
Für das Fahrgestell nimmt man normale braune Farben. Ich bevorzuge größere Gebinde aus dem Baumarkt. Damit wird das komplette Fahrwerk gebrusht und mit dem Fön wieder leicht getrocknet.

Danach werden Fahrgestell und Bremsen in Lederbraun leicht angebrusht und mit dem Fön getrocknet.

Als nächsten Farbschritt nehme ich ein helles Braun das leicht in Curry geht, ähnlich dem Wildlederbraun. Damit werden die Bremsbacken leicht angenebelt.

Die Achsen mit den Rädern werden auf ein Holz leicht aufgespannt. Anschließend werden die Räder mit einer Grundierung aus Grau gebrusht, gleich mit dem Fön getrocknet, dann mit Schokoladenbraun weiter gebrusht und wieder mit dem Fön getrocknet.

Abschließend die Räder mit Wildlederbraun brushen und gleich wieder mit dem Fön trocknen.

Dach:
Wenn sich das Dach nicht abnehmen lässt muss für diesen Arbeitsschritt der vollkommen durchgetrocknete Wagenkasten abgeklebt werden.
Das vom Wagenkasten abgenommene Dach mit hellgrauer Farbe brushen oder pinseln.

Anschließend mit Schokoladenbraun und mit leichten Hinundherbewegungen, so wie die Rillen am Dach verlaufen, quer zum Dach brushen dass ein Abriebschmutz entsteht. Gleich mit dem Fön wieder antrocknen lassen.

Danach mit Schwarz leichte Rußspuren längs des Daches brushen.

Tipp:
Man kann vor der Anbringung der Rußspuren einen großen Borstenpinsel mit weichen Borsten nehmen und mit Terpentin benetzen. Der Pinsel darf nicht tropfen.

Dann mit sanften Hinundherbewegungen quer zum Dach mit dem Pinsel leichte Farbriefen pinseln. Damit wird das Schokoladenbraun abgewaschen und ein Teil

bleibt zurück, der leicht Farbriefen aufweist. Das Dach sieht danach aus als ob Dreck mit dem Regen heruntergelaufen wäre.
Anschließend mit der Pistole einen leichten Hauch von Braun drüberbrushen.

Finale:
Wenn die Teile griffest getrocknet sind, baut man den Wagen (ohne Achsen und Räder) wieder zusammen.

Der komplette Wagenkasten wird mit Mattlack gebrusht. Die besten Erfahrungen habe ich bisher mit Mattlack von Revell gemacht.

Dieser Schritt muss sehr sorgfältig durchgeführt werden. Also nicht nur schnell drüber brushen sondern die bearbeiteten Flächen und den erzielten Mattierungs-grad beobachten. Unser Fön übernimmt wieder die Trocknungsaufgabe.

Anschließend noch die Räder mattieren und nach dem trocknen wieder einbauen.

Die Laufflächen der Räder werden entweder durch rubbeln mit Fleischmann oder Roco Schienenreinigungsgummi oder mit Verdünnung und einem Wattestäbchen / Pinsel von der Farbe befreit.

Viel Spass beim Patinieren wünscht Euch Speziguzi,
Jürgen aus Fachsenfeld, OAK


Sicherheitshinweise – Gesundheitsgefahr – Explosionsgefahr – Umweltgefährdung

Wer mit Aerosolfarben, Nitrofarben und entzündlichen Reinigern arbeitet, sollte sich stets bewusst sein, dass ein Schutz der Atemwege und Explosionsschutz unerlässlich sind. Kleinkinder und Haustiere dürfen sich nicht im Arbeitsbereich/Airbrush-Raum aufhalten. Essen, Trinken und Rauchen sind dort tabu.

Bei lösungsmittelhaltigen Farben ist unbedingt eine professionelle Atemschutzmaske der entsprechenden Schutzklasse (z.B. Dräger) zu verwenden. Zweckmäßig ist der Einsatz einer Absaugvorrichtung oder ersatzweise die Anwendung im Freien.

Die Verarbeitungs- und Warnhinweise der Hersteller auf den Produkten/Gebinden sind grundsätzlich zu beachten.

Dieser Beitrag wurde unter Anleitungen abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.